Chronik

Die Gründer, unsere Vorfahren und wir selbst haben in den letzten 125 Jahren vielerlei erlebt, erlitten und durchgestanden: Kaiserreich, Weimarer Republik, Hitlerzeit, zwei Weltkriege usw. Aber es genügt nicht, nur das Vereinsgeschehen seit 1879 darzustellen. Was haben die Gründer gewollt? Der Name Turnverein führt uns weiter zurück bis zu dem Grund, aus dem er gelebt hat und lebt. „Turnen“ erinnert an den Mann, von dem Wort, Idee und Praxis des Turnens ausgehen und dessen Gedanke es war, das Turnen zur Grundlage menschlicher Erziehung zu machen, den Turnvater Jahn. Sein Erbe, den wesentlichen Kern zu bewahren, war immer Aufgabe eines TV.

Was wollte Jahn? Sein Ziel: Turnen soll den ganzen Menschen bilden, den Leib, und über ihn hinaus, Seele und Charakter, auch im Sinne des Wahlspruchs „Frisch, fromm, fröhlich, frei“. Kraft und Gewandtheit, Mut und Abhärtung, Selbstüberwindung, freiwillige Einordnung in die Gemeinschaft und uneigennütziger Dienst sollen miteinander harmonieren. Jahns Lebenswerk begann am 19.6.1811 auf der Hasenheide bei Berlin, es war der Geburtstag des deutschen Turnens. 1815 Ehrensold für Jahn wegen seiner Verdienste um das Vaterland, 1817 zweifacher Ehrendoktor, 1819 verhaftet bis 1825 als Opfer der Demagogenverfolgung, 1820 Turnen verboten bis 1842, dann Turnen von der Regierung wieder anerkannt und Jahns Idee stärker als zuvor: Gründung vieler Turnvereine in den 40er Jahren, darunter die Turngemeinde 1846 Worms (TGW). Dort kam drei Jahrzehnte später ein junger Mann aus Horchheim, Georg Leick, 19 Jahre alt und Mitglied der TGW, mit dem Jahnschen Turnen in Berührung. Er begeisterte junge Horchheimer dafür und suchte im Bund mit ihnen das Turnen im Dorf heimisch zu machen. Um Freunde zu gewinnen, musste man es praktisch vorführen. Deshalb schlug er in der Osterwoche 1879 im Hof eines Turnfreundes ein Holzreck auf und gab damit den ersten Anstoß zur Gründung eines Turnvereins.

Aber erst am 18.6.1880 erreichten die Jahnjünger, gut unterstützt von Freunden aus der TGW, in der entscheidenden Versammlung in der Wirtschaft Buscher (Untere Hauptstraße 91) das Ziel: Die Gründung des Turnvereins 1879 Horchheim. Sofort traten ihm 50 Mitglieder bei, die Zahl stieg schnell auf 130. Bei der Wahl des Vorstandes wurde Jakob Simshäuser 1. Vorsitzender und Georg Zwilling Turnwart. Im gleichen Jahr noch wurde der Verein in die Deutsche Turnerschaft (DT) aufgenommen. Im Jahr darauf, 1881, nahmen sechs Turner am Gauturnfest in Kastell teil, wo G. Simshäuser in der 2. Stufe unter fünfzig Bewerbern den 4. Preis errang. Infolge von Zwistigkeiten im Dorf sank die Zahl der Mitglieder allmählich auf 70 bis 80.

Ein Höhepunkt im Vereinsleben war 1887 die Weihe einer Fahne, die von Horchheimer Frauen gestiftet war. In den ersten fünf bis sechs Jahren wurden die Turnstunden im Saal Buscher abgehalten, dann, bis 1895, beim Wirt Schwemmler (Backhausgasse). Noch fehlte den Turnern das eigene Heim, die Turnhalle. Das dazu nötige Geld brachten sie von 1894 an innerhalb von zwei Jahren auf u.a. durch größere Zuwendungen: eine spontane Spende von 500,- M von 25 älteren Turnern, Zuschuss der DT über 600,- M und ein Darlehn des Fabrikanten Diller, Obere Hauptstraße 80, in Höhe von 2000,- M. So konnte im Jahre 1896 der Bau begonnen, vollendet und die Halle eingeweiht werden. Das Einweihungsfest dauerte vom 13. bis 15 Juni 1896. Am Samstag Vorfeier: Fackelzug und Kommers; am Sonntag Hauptfeier: Zug durch die Ortsstraßen zum Festplatz unter Teilnahme von 25 Turnvereinen und Ortsvereinen mit Fahnen, danach im Rahmen eines Konzerts die Weihe der neuen Turnhalle und abends Festball (Eintritt für Damen -,20 M).

Im Jahre 1901 wurde der Turnplatz durch Erwerb eines benachbarten Grundstücks erweitert, die Gesamtfläche mit der Halle (230 qm) betrug damals 1449 qm, heute ca. 2500 qm.

Sein 25. Stiftungsfest feierte der TV vom 27. bis 29. August 1904. Am Vorabend Illumination der Straßen, Fackelzug und Kommers, wozu, wie der Festausschuss ankündigte, „unser Patenverein die Wormser Turngemeinde, in beträchtlicher Stärke erscheinen wird“ am Sonntag Festzug, Konzert mit Schauturnen von 23 Musterriegen, abends Festball.

Einblick in die Vereinsgeschichte der ersten 25 Jahre, von 1879 bis 1904, geben uns zwei Beiträge des Gründungsmitglieds J. Winkler:

1. Der Beitrag ,,Geschichte des Horchheimer Turnvereins vom Jahr 1879 bis 1896“ in der Festzeitung zur Halleneinweihung 1896.

2. Die ,,Vereinschronik seit 1896“ in Nr. 2 der beiden Fest-Zeitungen zum Silbernen Jubiläum 1904.

Für die Zeit von 1904 bis 1925, dazwischen der 1. Weltkrieg 1914 - 18, sind keinerlei Belege vorhanden; eine Kriegsfolge! Von Geschehnissen in dieser Zeit können noch alte Turner erzählen.

Erst seit 1925 haben wir schriftliche Unterlagen: Protokolle von Vorstandssitzungen und Vereinsversammlungen, inhaltlich ergänzt durch eine Anzahl von Jahres- und Turnberichten. Das älteste Protokoll, die 45. Generalversammlung am 2.5.1925 betreffend, enthält in der Tagesordnung den Punkt , „Spielbericht“. Er beweist die nach dem Weltkrieg neben dem Geräte- und volkstümlichen (leichtathletischen) Turnen gestiegene Bedeutung der Spiele, hier im TV: Fußball, Faustball, Handball. Das dazu erforderliche Gelände erwarb der TV durch Pacht auf der Kammerwiese nahe dem Bahnhof.

Zuerst, im Jahre 1920, schlossen sich fußballbegeisterte Turner innerhalb des TV zu einer besonderen Abteilung zusammen, wurden Mitglied des Süddeutschen Fußballverbandes und trugen Punktespiele aus. 1923 lehnten sie die Aufforderung der DT ab, innerhalb der DT zu spielen und blieben im SFV. Sie trennten sich vom TV und gründeten den Sportverein 1920 Horchheim. Doch beide Vereine blieben jederzeit freundschaftlich verbunden. Die Pacht für den Sportplatz trugen sie je zur Hälfte, bis er 1957 durch Kauf Eigentum des SVH wurde.

Andere zogen das Faustballspiel vor. Mehrere Mannschaften erreichten darin eine beachtliche Spielstärke. Glanzzeit war die Mitte der 20er Jahre. Die erste Mannschaft steigerte sich im Ringen mit der ebenbürtigen Mannschaft der TGW. Sie errang mehrmals den Gaumeistertitel und kämpfte in der Kreisklasse wiederholt mit dem langjährigen deutschen Faustballmeister in der B-Klasse.

Gleichzeitig fand das Handballspiel seine Liebhaber. Mit wechselndem Erfolg bestritten sie ihre Spiele, wurden 1926 und 1927 Gaumeister in der C-Klasse, lösten sich 1928 wegen Abwanderungen zum Fußball auf, lebten 1930 wieder neu auf und gelangten in die Gauklasse.

Zu den Ballspielabteilungen kam im Jahre 1922, angeregt durch das Beispiel der TGW, wo man die ersten praktischen Versuche gemacht hatte, eine Fechtabteilung. Gefochten wurde mit Florett und Säbel. Die Abteilung bestand bis zum Ende der 20er Jahre.

Im Jahre 1928 gewann man als Übungsleiterin für die Turnerinnen Frl. Becker von der TGW.

Der 150. Wiederkehr des Geburtstags von Ludwig Jahn (11.8.1778) gedachten die Turner am 11.8.1928 in einer abendlichen Feierstunde, in welcher der Ehrenvorsitzende Rudolf Staubach über Jahns Wirken für Volk und Jugend sprach. Einem Antrag des TV folgend änderte damals der Gemeinderat von Horchheim den Namen Turnhallenstraße in Jahnstraße um. Zweiundvierzig Jahre später kehrte, gemäß Stadtratbeschluss vom 24.6.1970 über Straßenumbenennungen im gesamten Stadtgebiet, der alte Name wieder.

Das 50-jährige Jubiläum des TV wurde vom 24. bis 26.8.1929 festlich begangen. Zahlreiche auswärtige Teilnehmer fanden Unterkunft in Privatquartieren. Beim Kommers am Samstagabend deuteten Turnersprechchöre der einzelnen Abteilungen in Versen den Sinn des Wahlspruchs „Frisch, fromm, fröhlich, frei“. Eine neue Fahne, gestiftet von Turnerinnen, wurde geweiht. Zum Gerätewettkampf am Sonntag traten 270 Turner aus 40 Vereinen an.

Die mit Beginn der 30er Jahre drückender werdende wirtschaftliche Not warf ihre Schatten auch auf das Vereinsleben. 1932 waren von 89 Turnern 29 arbeitslos. Die politische Umwälzung im Jahre 1933 erfasste alle Lebensbereiche. Sie ließ auch den TV nicht unberührt, zunächst in der Leitung des Vereins: Der erste Vorsitzende, vom Gauführer bestätigt, wurde Vereinsführer. Den Vorstand ersetzte der Turnrat, der nicht mehr gewählt, sondern vom Vereinsführer ernannt, durch Handschlag verpflichtet und erweitert wurde durch ein neues Amt: den Dietwart, d.h. Volkswart.

Anfang 1936 ging die DT im R.f.L. (Reichsbund für Leibesübungen) auf. Ein Jahr später erhielt der TV den Auftrag, Mädchen im Alter von 17 bis 21 Jahren, die nicht dem BdM (Bund deutscher Mädchen) angehörten, zur sportlichen Ausbildung zu erfassen.

Bei Kriegsausbruch 1939 rückten sofort 22 Turner ins Feld. Die Turnhalle wurde auf sechs Monate vom Militär belegt, der Turnbetrieb im Winter 1942/43 mit Einschränkungen aufrechterhalten, bis er 1943 wegen Mangel an Brennstoff eingestellt werden musste. So blieb es dann über sieben Jahre hinaus.

Beim Landskronfest 1942 hatten alle Teilnehmer, sieben Jungen und elf Mädchen, Preise errungen. Doch die Urkunden blieben aus.

Den Opfern des Krieges aus den Reihen der Turner ist bereits in der Festschrift zum Jubiläum im Jahre 1954 ein Gedenkblatt gewidmet.

Auch materiell erlitt der TV schweren Schaden. Der Bombenangriff am 21.2.1945 auf Worms war unheilvoll auch für Horchheim. Eines der hier völlig zerstörten Gebäude war die Turnhalle. Sie brannte mitsamt dem Inventar bis auf Mauerreste nieder. Elf Wochen später endete der Krieg im völligen Zusammenbruch. Der Verein selbst stand vor dem Nichts: die Halle in Schutt und Asche, das Hallengelände von der Besatzungsmacht beschlagnahmt, der TV, wie alle Turnvereine, aufgelöst und die Neugründung verboten.

Lebendig blieb allein der Gedanke und Wille, die Sache des Turnens in einem neu zu gründenden Verein wieder zu beleben und fortzuführen. Turnvereine konnten mit Erlaubnis der Militärregierung erst im Jahre 1949 wieder ins Leben gerufen werden. Drei Mitglieder des alten Vereins, Karl Schifferdecker, Willi Rißberger und Johannes Berkes, stellten den Antrag auf Neugründung. Im Oktober 1949 erhielten sie die Erlaubnis, eine Gründungsversammlung einzuberufen.

Der Tag, an dem die Gründungsversammlung im Lokal Klock (Obere Hauptstraße 15) stattfand, war der 15. Oktober 1949; er wurde der Geburtstag des neuen Vereins. Die anwesenden alten Turner gründeten ihn neu mit dem Namen „Verein für Leibesübungen 1879 Worms-Horchheim“ und wählten den neuen Vorstand:

1.Vorsitzender Jakob Seiler

2.Vorsitzender Josef Löcher

Kassenwart Nikolaus Förster

Schriftwart Christian Schmidt

Obertumwart Willi Rißberger.

Die endgültige Genehmigung traf am 6.2.1950 ein. In der nächsten Versammlung trugen sich die Anwesenden sogleich in die Mitgliederliste ein und gaben ihrem TV wieder den alten Namen „Turnverein 1879 Worms-Horchheim“.

Der Weg war frei, aber wie und wo beginnen; ohne Halle, ohne Geräte!? Der TuS Weinsheim stellte sofort Geräte zur Verfügung, Turnplatz war das Gelände um die Halle und der Saal Buscher. Das Geräteturnen verlegte man im Winter 1950/51 in den Saal Bollmann in Weinsheim.

Ende 1950 zählte der Verein 93 Mitglieder. Ein Zuschuss des Rheinhessischen Turnerbundes ermöglichte die Anschaffung neuer Geräte. Das turnerische Leben nahm neuen Aufschwung. Beweis dafür sind die Erfolge in den Jahren 1950 bis 1952. Hierzu eine Anmerkung über Wettkämpfe und Preise: Turnen erfordert Bemühen und Ausdauer. Dafür locken vielerlei Wettkämpfe und Preise auf meist jährlichen Turnfesten (z. B. das Landskronfest in Oppenheim bereits im 19. Jahrhundert) im Einzel- oder Mannschaftskampf (Musterriegen) oder bei Vergleichskämpfen mit Nachbarvereinen.

Von Siegern im Einzelkampf vor dem 1. Weltkrieg ist nichts bekannt, abgesehen von dem 4. Preis des G. Simshäuser 1881. Aus der Fülle von Preisen, auch 1. Preisen, die Horchheimer Turner errungen haben, eine kleine Auslese: Besonders ergiebig an Erfolgen waren die Jahre 1930 bis 1932 und 1950 bis 1952.

Beim ersten Landesturnfest nach dem Krieg in Wöllstein 1950 wurden alle Teilnehmer Sieger. Beim Kreisturnfest in Bechtheim 1951 fielen zwei 1. Preise, im Sieben- und Zwölfkampf, an den TV Horchheim, ebenso der 2. Preis im Sechskampf. Im Jahre 1951 gewann der TV Horchheim 117 und 1952 160 Siege. Bereits am 2.1.1951 trat der TV mit einer Turnschau an die Öffentlichkeit. Kurz danach bildete sich die neue Damenriege, sofort mit 20 Teilnehmerinnen.

Vordringlich war der Aufbau der zerstörten Turnhalle. Die Vereinsführung handelte schnell und geschickt.

1. zwei Bausteinaktionen, d.h. durch den Verkauf von Spenden- und Darlehnscheinen (14 Turner stellten sich für diesen Zweck für Hausbesuche zur Verfügung),

2. Zuschüsse des Rheinhessischen TB und der Stadt Worms.

Bereits 1951 begann der Neubau der Turnhalle, und am Kerwesamstag, am 11.8.1951 (Jahns Geburtstag), wurden Richtfest und Einweihung des vollendeten Baues gefeiert.

Im Januar 1952 wurde erstmals eine Frau, die Turnerin Frieda Soldan, durch Wahl Mitglied des Vorstandes.

Am 19. und 20.6.1954 beging der TV das Fest seines 75-jährigen Bestehens. Herausragend war der große Festabend im Saal Bollmann in Anwesenheit des Schirmherrn, Oberbürgermeister Völker, Worms, und am Sonntag das Kinderturnfest.

Im Jahr 1954 wurde auch eine Abteilung für Tischtennis gegründet. Ihr größter Erfolg war 1961 die ,,Liga-Stadtmeisterschaft“.

Das Jahnsche Turnen war nicht starr, es wurde im Laufe der Zeit vielseitiger. Man kann Formen ändern, um den Inhalt zu bewahren.

Nach dem letzten Krieg, besonders aber seit den 60er Jahren, wurde die Notwendigkeit spürbarer, die veränderten Lebensverhältnisse der Menschen im Turnen zu berücksichtigen und mehr als früher Alter und individuelle Lebenslage, besonders der Kinder, Jugendlichen, Mädchen und Frauen, zu beachten. Die Vielfalt der Bewegungsformen, Geräte und Spiele wurde größer. Eine Folge davon sind auch Neuabteilungen im TV wie „Turnen für jedermann“, 1967; „Mutter und Kind“, 1969; „Gymnastik für Frauen“, 1970; eine Wanderabteilung, 1972.

Die 90. Wiederkehr des Gründungsjahres wurde 1969 durch Veranstaltungen an drei Tagen gefeiert: Tischtennis- und Volleyballturnier, Festball, Schauturnen.

Schon im Jahre 1967 war die Volleyball-Abteilung gestartet. Als Rheinhessenmeister wurde sie 1972 Teilnehmer in der Endrunde der Volleyballmeisterschaft in der Bundesrepublik und errang den 6. Platz unter acht Bewerbern. Im Jahr darauf wurde sie wieder Rheinhessenmeister.

Nach 27-jähriger, erfolgreicher Vereinsführung legte Jakob Seiler 1976 sein Amt als 1. Vorsitzender nieder. Sein Nachfolger und gegenwärtiger 1. Vorsitzender ist Georg Mink, der vorher schon als Jugendleiter und 2. Vorsitzender dem Vorstand angehört hatte.

Die Zahl der aktiven Abteilungen ist 1979 auf 16 und die der Mitglieder über 14 Jahre auf 350 angestiegen. Dazu kommen 160 Kinder unter 14 Jahren. So weit der Gang durch hundert Jahre. Man kann dabei einen nachhaltigen Eindruck von den wesentlichen Ereignissen in der Vereinsgeschichte, von den Leistungen und Leiden des TV in dieser Zeit gewinnen.

Erstaunlich ist der Aufstieg des TV vom Nullpunkt 1949 in den folgenden 30 Jahren auf den Stand von heute. Seine Arbeit und Leistung hat ihm Ansehen und Achtung in der Öffentlichkeit erworben.

Dank und Anerkennung ist ihm immer wieder bei festlichen Anlässen ausgesprochen worden, so vom Kassenwart der DT, Turnbruder Schill, beim Jubiläum 1929, vom OB Völker Worms 1954, von den Sprechern der Turnvereine und vom DTB. Ein hohes Lob für den TV ist das Geleitwort des OB Völker zum Fest 1954, in dem er dem TV „Einstehen für die Bejahung ideeller Werte des Lebens“ und „selbstlose Hingabe an diesen guten Geist“ nachrühmt.

Dank den Männern der jeweiligen Vereinsleitung für die Sicherung der Voraussetzungen der turnerischen Arbeit, Dank nicht zuletzt den Turnwarten und Übungsleitern, die in diesen Jahren uneigennützig ein außerordentliches Maß an Zeit und Kraft dem Dienst an der Jugend gewidmet haben.

Vieles war auch nur möglich dank der Mithilfe aller aktiven Männer und Frauen, und hiermit berühren wir, was Jahn am Herzen lag, den Einsatz für die Gemeinschaft. Diesen Einsatz haben die Turner in Horchheim bewiesen, besonders nach 1949, als es galt, mit Hand anzulegen, aufzuräumen, auszubessern, auf- und anzubauen (z.B. die Kegelbahn 1960), Baustein-Aktionen durchzuführen usw., ganz im Einklang mit den von ihnen oft gesungenen Versen: „Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit!“.

Gemeinsames Werk vertieft das Gefühl der Verbundenheit. Hierher gehört auch der Brauch, am Nikolaustag die Jüngsten zu beschenken, z. B. 125 Schüler im Jahr 1952.

Auch der Allgemeinheit fühlte sich der TV zugehörig: deshalb jährliches Schauturnen, Beteiligung an Umzügen (Fastnacht, Sommertag), Theateraufführungen mit Schauspielern aus den eigenen Reihen, Mitwirkung von Musterriegen bei Veranstaltungen befreundeter Vereine.

Was von der Hasenheide 1811 seinen Ausgang nahm, ist heute weltumspannend geworden: Die Ausstrahlungskraft einer Idee über nationale und kontinentale Grenzen. Sie enthält einen allgemein-menschlichen Kern: Turnen ist gleich offen für Menschen aller Schichten; Körper, Seele und Geist im Einklang; Einfügung in eine Gemeinschaft ohne Drill.

Nochmals zurück zu Jahn. Er war ein Mann von „eigenartiger Zwiespältigkeit“: patriotisch überspannt, aber auch demokratisch und sozial (Abgeordneter im ersten deutschen Parlament 1948 in Frankfurt, sein Eintreten für die Farben Schwarz-Rot-Gold); rau und derb, aber auch feinsinnig (Sein Hauptwerk „Die deutsche Turnkunst“, 1816, widmete er Goethe, den er sehr verehrte).

Anerkennend sind Goethes Worte 1817: ,,Die Turnerei stärkt und erfrischt nicht nur den jugendlichen Körper, sondern ermutigt und kräftigt auch Seele und Geist gegen Verweichlichung.“ Ähnlich schreibt ein Turner in der Festzeitung zur Turnhalleneinweihung 1896: „Niemand kann bezweifeln, dass das Turnen den Leib gesund und stark macht, den Willen festigt, den Mut belebt, die Selbstbeherrschung fördert und Frohsinn weckt.“ Darin sind wir auch heute noch eines Sinnes mit den Gründern.

Es bleibt der Wunsch: Möge der Turnverein Worms-Horchheirn auch im 2. Jahrhundert seines Daseins blühen, gedeihen und segensreich wirken wie zuvor und mögen alle, die ihm beitreten, besonders die Jugend, im Turnen oder Spielen in freier und froher Gemeinschaft Freude und Glück erleben!

Ein Jahr nach dem 100-jährigen Vereinsjubiläum wurde eine Garage, eine Küche sowie ein Geräte- und Versammlungsraum an die Turnhalle angebaut. Die feierliche Einweihung erfolgte am 31.10. und 1.11.1981 mit einem Tag der offenen Tür und einem Preiskegel-Turnier. Für die Turner und die Tischtennisspieler wurde durch den neuen Geräteraum wesentlich mehr Fläche in der Halle verfügbar. Der Versammlungsraum dient seither nicht nur zum Abhalten der Vorstands- und Abteilungssitzungen, sondern auch dem gemütlichen Beisammensein nach Übungsstunden, Tischtennis- und Tennisspielen sowie verschiedenen Abteilungsfeiern.

Noch bevor man mit Boris Becker und Steffi Graf den Höhepunkt des Tennisbooms in Deutschland erreichte, legt der TV Horchheim 2 Tennisplätze auf dem brachliegenden Gelände hinter der Turnhalle an. Die Einweihung wurde am 4. Juni 1983 gefeiert.

Von Juli bis September 1986 konnte der Sanitärbereich durch den Umbau der Toiletten verbessert werden. Die steigende Zahl der Tennisspieler und Tennismannschaften machte eine weitere Baumaßnahme erforderlich. Von August bis Dezember 1989 wurde ein Geräteraum für die Tennisabteilung und eine Terrasse mit Zugang zu dem Versammlungsraum gebaut und gleichzeitig der Raum für die Turngeräte und Tischtennisplatten erweitert.

Aus Sicherheitsgründen musste wegen der Gasheizung in der Turnhalle im Mai 1994 eine Raumluftüberwachungsanlage installiert werden. Der Hallenboden konnte im Juni 1994 erneuert werden.

Im Oktober 1996 wurden eine neue Heizung für die Kegelbahn, Toiletten, Dusche, Umkleideraum, Küche und ein zweiter Versammlungsraum eingebaut. Im Oktober 1997 war die Generalüberholung der Tennisanlage fällig. Gleichzeitig wurden die Plätze, wegen der abendlichen Sonneneinstrahlung, von Ost/West nach Nord/Süd gedreht. Im Jahre 2000 konnte die alte Gasheizung der Turnhalle durch eine energiesparende Anlage mit Gas-Dunkelstrahlern ersetzt werden.

Die Nutzung des städtischen Geländes vor der Turnhalle als Parkplatz war trotz mehrfacher Schotterung bei starkem Regen nicht dauerhaft möglich. Aus diesem Grund entschloss man sich im Jahre 2000 die Fläche zu asphaltieren. Die Genehmigung für diese Maßnahme zog sich allerdings erheblich in die Länge und war nur möglich, nach Pflanzung von 2 Bäumen und Ableitung des Wassers in das Erdreich. Die Kosten übernahm der Turnverein vollständig.

Von 1979 bis 2004 stieg die Mitgliederzahl beim TV Horchheim von 510 auf 965 an. Verantwortlich für diese Entwicklung ist die Entstehung diverser Neubaugebiete in Horchheim, Weinsheim und Wiesoppenheim sowie das erweiterte Angebot der sportlichen Aktivitäten. Im Jahre 1983 entstand die Tennisabteilung, am 4.4.2001 die Handballabteilung und im Oktober 2002 die Tanzsportabteilung. Unter dem Überbegriff Aerobic bildeten sich ab Mitte der 90er Jahre mehrere Gruppen, wie Bodystyling, Fatburner-Step und Fitness. Seit 2003 gibt es beim TVH die Möglichkeit zum Trampolinspringen. Etliche Mitglieder wurden auch durch die Kooperationen von Tischtennis und Leichtathletik mit der Kerschensteiner Grundschule gewonnen.

Gegen den positiven Trend entwickelte sich das Interesse an Volleyball, was letztlich 1982 zur Auflösung dieser Abteilung führte.

Der stetig steigenden Mitgliederzahl und dem hervorragend wirtschaftenden Vorstand, insbesondere unserem Ehrenschatzmeister, Willi Hindenlang („Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“) ist es zu verdanken, dass alle baulichen Maßnahmen ohne Verschuldung des Vereins durchgeführt werden konnten.

Obwohl der Begriff „Power-Frauen“ erst geprägt wurde als Ingrid Blanck mit ihren Gruppen sportliche Akzente setzte, war Frauen-Power im Turnverein immer präsent. Im heutigen Vorstand sind unter den 25 Mitgliedern 12 Frauen. In der TUJU dominieren die Frauen sogar derzeit mit 80%. Auch im Übungsleiterbereich gibt es zahlenmäßig mehr Vertreter des weiblichen Geschlechts. Wir Männer sehen nicht besorgt auf diese Entwicklung, sondern sind stolz auf unsere Frauen, die neben Schule, Beruf, Familie noch die Zeit finden, sich fit zu halten und bei der Bewältigung der zahlreichen Aufgaben des Turnvereins tatkräftig mitarbeiten. Stolz sind wir auch, auf unseren Nachwuchs, der zusammen mit den Routiniers, voll integriert, wie in einer großen Familie anspruchsvolle Aufgaben wahrnimmt. Als eine Meisterleistung an Teamarbeit kann das alljährlich am 3. Advent stattfindende Schauturnen bezeichnet werden. In den letzten Jahren ist es gelungen die Qualität der Veranstaltung stetig zu verbessern. Die Dekoration nimmt mittlerweile Ausmaße an, die nur noch von großen Theaterhäusern übertroffen wird. So bemalte man 2003 eine 5 x 9 m große Leinwand mit einer Elektro- und Dampflokomotive, bastelte eine Bahnschranke fast in Originalgröße, verlegte echte Bahnschwellen, baute einen Bahnhofskiosk nach und dekorierte die Kerschensteiner Halle mit Bänken, Fahrplänen, Schildern und Fahrradständern so, dass man sich wie im Hauptbahnhof einer kleinen Stadt fühlte. Belohnt wird das ganze seit Jahren durch vollbesetzte Zuschauerränge, großzügige Spenden bei der Tellersammlung und lobende Berichte in der lokalen Presse.

In den 80er Jahren bildeten sich, nicht zuletzt aus den Darbietungen des Schauturnens, 3 Gruppen, die über die Ortsgrenzen hinaus, bei zahlreichen Veranstaltungen im kulturellen Bereich aufgetreten sind. Die „Hobatubu’s“, die Schuhplattler und die Jazz-Tanz-Gruppe.

Weiterhin beteiligte sich der Turnverein alljährlich beim Dorfgemeinschaftsabend, von 1985 bis 1995 beim Wanderwegfest, von 1991 bis 1998 wurden Altpapiersammlungen durchgeführt. An der Horchheimer Kerwe stellte man sich der Konkurrenz aus den anderen Ortsvereinen beim Fassrollen.

In der Ära des „world wide web“ war es nur eine Frage der Zeit, bis der TV Horchheim durch eine eigene Homepage weltweit über das Internet erreichbar wurde. Seit 2003 ist der TVH aufgrund der Initiative der beiden Tischtennisspieler Andreas Koppe und Frank Elsner online.

Am 22. Februar 2003 durfte sich unser Verein im Rahmen der Serie „Vereine machen Zeitung“ ganzseitig in der Wormser Zeitung präsentieren. Uschi Kestler, Gernot Arnold, Bernhard Bertz und Wolfgang Wagner schrieben Artikel und stellten dann, unter Anleitung von Herrn Kipper in den Räumen der Wormser Zeitung den Horchheimer Beitrag zusammen. Man gewann dadurch erstmals einen Eindruck, mit welchen Schwierigkeiten die Redakteure täglich konfrontiert werden. Aufgrund der guten Vorbereitung konnte man aber bereits nach 3-4 Stunden mit Stolz auf die gelungene Arbeit blicken und ein großes Lob von Herrn Kipper entgegennehmen.

Eine lange Tradition im Turnverein haben diverse Veranstaltungen an Fastnacht. So sorgen seit Jahren die Candys am Fastnachtssamstag für gute Unterhaltung bis in die Morgenstunden. Unter der Regie von Marcus Berkes, der nicht nur die Tanzveranstaltung, sondern auch den Fastnachtsumzug und die Gemeinschaftssitzung der Horchheimer Vereine mitorganisiert und als Sitzungspräsident fungiert, konnten schon bis zu 230 Personen beim Tanz in der Vereinshalle gezählt werden. Es gab aber auch Jahre wo man nur 50-80 Teilnehmer hatte. Obwohl andere Vereine ebenfalls am Fastnachtssonntag einen Kinderkräppelkaffee in Horchheim anbieten ist diese von der TUJU hervorragend organisierte Veranstaltung seit Jahren sehr gut besucht.

Am Horchheimer Fastnachtsumzug ist der Turnverein meistens mit 1-2 Gruppen beteiligt. Erwähnenswert sind hier die „Größenwahnsinnigen“ Beiträge der TT-Abteilung. Es begann mit einem Kinderwagen von 7 m Länge, der vom langen Georg geschoben wurde. Es folgte ein riesiger Dinosaurier, der nicht nur beim Fastnachtsumzug, sondern in weiteren Ausbaustufen auch bei der Weinsheimer Kerwe und beim Backfischfestumzug, hier unter dem Motto „Siegfried und die Nibelungen“ bewundert werden konnte. Etliche Jahre verbrachte der von Rüdiger Sälzer geschweißte und von Gernot Arnold maßstabsgetreu geplante „Drache“ im Garten der Familie Dlugosch und lockte so manchen Fotografen und auch viele Kinder an.

Zur Zeit des Rinderwahnsinns (BSE) bastelte man eine riesige Kuh, deren Kopf noch immer bei der Familie Karlin gelagert ist. An dieser Stelle möchten wir uns nochmals ganz herzlich bei der Familie Rudi Karlin bedanken, die seit Jahren nicht nur eine Rolle, sondern auch den Notwendigen Platz zur Verfügung stellen und damit die Grundlage für unsere Teilnahme bei den Umzügen schaffen. Im Jubiläumsjahr ereichte der „Wahnsinn“ seinen Höhepunkt mit einer 5 m hohen Sektflasche flankiert von 2 Sektgläsern, die notwendigerweise, um nicht die Straßenlaternen abzureißen, schwenkbar gemacht werden musste. Dieser kniffligen Angelegenheit schienen die TT-Recken um „Oberschweißer“ Rüdiger Sälzer nicht gewachsen zu sein. Den richtigen Achsendurchmesser fand man erst, nach Bruch von 2 unterdimensionierten Rohren, als Rüdigers Vater eine Gerüststange beisteuerte und Anweisung gab, wie die Achse zu lagern sei, damit auch der Umzug heil überstanden werde. Nachdem das Grundgerüst fertiggestellt war, folgte eine grandiose Teamarbeit der TUJU. Es wurden Drähte gewickelt, Tapeten gekleistert, Buchstaben aus Styropor und Folie geschnitten, Schilder und Flasche bemalt, Papierblumen gebastelt und dekoriert sowie das ganze rechtzeitig zum Umzug fertiggestellt.

Der TT-Jugend war es vorbehalten beim Fastnachtsumzug an der Spitze der Turnverein-Gruppen das riesige Schild mit der Aufschrift „125 Jahre Turnverein Horchheim und 50 Jahre TT-Abteilung“ zu präsentieren. Es folgte die Jazz-Tanzgruppe Fresh & Cool, dann die Schilderträger aus den Turngruppen mit der Aufschrift aller Abteilungen/Gruppen, der Jubiläumswagen, die Power-Frauen, die als Sektflaschen dekoriert insgesamt 66 Flaschen Sekt an die Zuschauer ausschenkten und schließlich die Handball-Damen, die als Schornsteinfeger verkleidet Glück bringen sollten. Die riesige Begeisterung der Mitwirkenden übertrug sich beim Umzug auf die Zuschauer, so dass man mit Stolz auf diesen ersten Beitrag im Jubiläumsjahr zurückblicken kann.

2004 feierte der TV Horchheim nicht nur sein 125-jähriges Vereinsjubiläum, sondern auch das 50-jährige Bestehen der Tischtennis-Abteilung.

Kontinuität ist etwas, das den TV Horchheim auszeichnet, insbesondere die beiden 1. Vorsitzenden Jakob Seiler († 2003) und Georg Mink, die zusammen über 55 Jahre den Verein führten. Es gibt wohl kaum jemanden, außer vielleicht die Ehefrauen, der ermessen kann welche Arbeit in so einer langen Zeit für die Gemeinschaft geleistet wurde. An dieser Stelle sei nochmals unserem 2003 verstorbenen Ehrenvorsitzenden Jakob Seiler und dem gegenwärtigen 1. Vorsitzenden Georg Mink ganz herzlich gedankt für das Engagement zum Wohle des Vereins.

Kontinuität zeigt sich auch bei der großen Zahl von Jubilaren, die schon über 25 Jahre dem Turnverein Horchheim die Treue halten. Ganz besonders bedanken möchten wir uns daher bei allen Jubilaren und Ehrenmitgliedern, insbesondere bei Hans Nesbigall, der 69 Jahre Mitglied und Theodor Rempel, der 67 Jahre Mitglied im TV Horchheim ist, für die langjährige Treue sowie die finanzielle und tatkräftige Unterstützung. Wir wünschen allen Jubilaren Gesundheit sowie weiterhin viel Freude und Spaß in unserem Verein.

Es gäbe sicher noch viel zu berichten aus den vergangenen Jahren, doch jetzt soll es genügen mit dem Blick zurück. Aufgrund der positiven Mitgliederentwicklung im letzten Jahr freuen wir uns darauf vielleicht schon in naher Zukunft das 1000.Mitglied in unserem Verein begrüßen zu dürfen...

Von Dr. Otto Jochem und Gernot Arnold

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